Rilke

"Rainer Maria Rilke:

"... und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste

in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene

Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie

jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht

leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die

Antworten hinein."
 

"Ich ließ meinen Engel lange nicht los 
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß
und auf einmal war ich das Erbarmen
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da habe ich ihm seinen Himmel gegeben, -
und er ließ mir das Nahe,
daraus er entschwand;

er lernte das Schweben
ich lernte das Leben
und wir haben langsam einander erkannt. "

 

"Man muss den Dingen die eigene, ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt und

durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann

alles ist austragen-und dann gebären..."
 

"Unsere tiefsten Ängste sind Drachen vergleichbar, die unsere tiefsten Schätze

bewachen."

„Da wachsen Kinder auf an Fensterstufen, die immer in demselben Schatten sind, und wissen nicht, dass draußen Blumen rufen zu einem Tag voll Weite, Glück und Wind...“

 

"Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, dem gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt."